Die Bedeutung des Familiennames Deutsch

Deutsch: Wer im Grenzgebiet nicht Romanisch sprach, war thiudisk

von Hans Marcus Thomsen

Warum heißen 7000 Deutsche "Deutsch", oder "Deutschmann" oder gar "Deutschländer"? Wenn einer aus Garmisch nach Köln oder aus Nürnberg nach Hamburg zieht, ist es ganz natürlich, daß man ihn Bayer oder Franke nennt. Aber "Deutsch" in Deutschland? In Grenzgebieten wohnen die Völker dicht beieinander und durcheinander. Da mußte man zeigen, wozu man unzweifelhaft gehören wollte. So sind diese Familiennamen wohl durch abgrenzende Selbstbenennung entstanden. "Allmann", oder noch schöner, "Allmang" sind dagegen die Familiennamen, die wir unseren französischen Nachbarn verdanken, denn dem heutigen Wort Deutsch verweigert sich ihre Zunge.



Über die Herkunft des Wortes "Deutsch" haben die Deutschen selbst lange gerätselt, denn im Unterschied zu "allemand", wie die Franzosen uns nennen, oder "german" wie es die Engländer tun, ist "Deutsch" kein Stammesname. Seit Jacob Grimms "Excurs über Germanisch und Deutsch" von 1840 hat ein Jahrhundert Forschung Licht in das Dunkel um die Entstehung des Namens gebracht. Er ist wohl im romanisch-germanischen Grenzgebiet entstanden und meint als "thiudisk" - darin steckt das althochdeutsche diot, deot, das Volk bedeutet - Sprache und Gebräuche der nicht romanisch sprechenden Franken. Der Gegensatz dazu ist "walhisk" (welsch).



Die Romanen übernehmen das Wort. In ihrem Munde wird es zur Volksbezeichnung für ihre germanischen Nachbarn: "Tiesche langue" (Sprache), "tiesche gent (Volk), "tiesche terre" (Land). Im Annolied (1080) finden wir es in althochdeutscher Gestalt: "diutschiu lant". In der lateinischen Kanzleisprache wird es zu "theodiscus", später zu "teutonicus" umgebildet. In der Regensburger Kaiserchronik (12. Jahrhundert) erscheint es zum ersten Mal als Volksname: "die Diutiscen" (die Deutschen). Walther von der Vogelweide (1170-1230) endlich findet "in allen tiuschen Landen" seine sprachlich-nationale Identität. Aber Luther erst spricht und schreibt "deutsch".



In den östlichen Grenzgebieten hießen die Deutschen polnisch "Niemiec" oder tschechisch "Nemec" für die Stummen - die nicht slawisch Sprechenden. Daraus entstanden unsere Familiennamen "Nemetz", "Nemitz", "Niem(i)etz", "Niemz" und "Nim(t)z". Auch mit dem Wort deutsch konnten unsere östlichen Nachbarn umgehen: Die Familiennamen "Dutschke" oder "Dutschmann" benennen den kleinen Deutschen.



Artikel erschienen am Fr, 18. März 2005 in der Welt
entnommen aus www.welt.de

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